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Die extrazelluläre Matrix des zentralen Nervensystems An der
Differenzierung und Morphogenese neuraler Gewebe ist eine Vielzahl von
Interaktionen zwischen Zellen und ihrer Umgebung beteiligt. Hierbei spielt
die extrazelluläre Matrix (ECM) eine wichtige Rolle, ein Komplex aus
extrazellulären Molekülen, die als Aggregate oder Polymere angeordnet sind.
Als extrazelluläre Matrix werden allgemein die Moleküle bezeichnet, die von
Zellen produziert und in den Extrazellulärraum abgegeben werden. Komponenten
der ECM sind fibrilläre Proteine wie Kollagen und Elastin, modular
aufgebaute Verbindungsproteine wie z.B. Laminin, Fibronektin und Tenascin,
und polymere Makromoleküle, insbesondere Glykosaminoglykane. Die
extrazelluläre Matrix hat zum einen eine strukturelle Bedeutung, indem sie
dem Gewebe seine Form verleiht und auch Bereiche unterschiedlicher
Gewebetypen voneinander trennt, zum anderen kommt ihr eine Funktion für die
Zell-Zell-Kommunikation zu. Die Interaktion von ECM-Molekülen mit Rezeptoren
der Zelloberfläche gibt dem Gewebe einen strukturellen Zusammenhalt und
ermöglicht außerdem die Übermittlung von Signalen in die Zellen bzw. die
Übertragung zellulärer Signale in den Extrazellulärraum. Durch ihren
Einfluss auf Zellüberleben und -proliferation sowie auf Migration und
Differenzierung von Zellen spielt die ECM eine entscheidende Rolle in der
Entwicklung von Gewebe und der Erhaltung seiner Funktion (Lukashev und Werb,
1998; Streuli, 1999). Die extrazelluläre Matrix des zentralen
Nervensystems (ZNS) besitzt im Vergleich zu anderen Gewebetypen meist eine
eher lockere Struktur, mit einigen Ausnahmen wie z.B. den Hirnhäuten. Sie
nimmt ein verhältnismäßig großes Volumen von bis zu 20% des adulten Gehirns
ein (Nicholson und Sykova, 1998). Obwohl viele ECM-Moleküle des ZNS auch in
nicht-neuronalen Geweben zu finden sind, wie z.B. Tenascine, Fibronektin und
Laminin, gibt es auch ZNS-spezifische Komponenten wie die
Chondroitinsulfat-Proteoglykane Phosphacan und Neurocan. Ziel der
Untersuchungen am Lehrstuhl ist, zu untersuchen, ob die Applikation des
Matrixproteins Tenascin-C auf Neurone zu einer Modulation ihrer
Membranströme führt. Hierzu wurden mit der Patch clamp-Technik bei
vorgegebenen Potentialen Ströme durch verschiedene spannungs-und
ligandengesteuerte Ionenkanäle aufgezeichnet und die maximalen Amplituden
vor und nach der Applikation von TN-C-Lösung verglichen. Bei der
Untersuchung postsynaptischer Ströme wurde neben den Amplituden auch die
Frequenz der synaptischen Ereignisse betrachtet. Die Messungen sollten an
dissoziierten Neuronen von Wildtyp-Mäusen sowie auch von TN-Cdefizienten
Mäusen durchgeführt werden, um mögliche Unterschiede in der Reaktion der
Zellen feststellen zu können. Zum einen wurde hierbei in Erwägung gezogen,
dass beim Wildtyp von in der Zellkultur vorhandenen Gliazellen sezerniertes
TN-C dazu führen könnte, dass durch akutes Überspülen kein zusätzlicher
Effekt mehr auftritt. Z.B. könnten vorhandene TN-C-Bindestellen schon durch
in der Kultur vorhandenes Tenascin abgesättigt worden sein. Zum anderen
bestand auch die Möglichkeit, dass in den defizienten Mäusen TN-C-Rezeptoren
anders als im Wildtyp exprimiert werden und dadurch eine andere Reaktion auf
TN-C erfolgen könnte.
Ein weiteres Ziel besteht darin, die Reaktion von Neuronen auf TN-C als
Zellkultur-Substrat zu untersuchen, da Matrixproteine auf vielfältige Weise
das Zellverhalten beeinflussen, beispielsweise bei der Wanderung, dem
Wachstum und der Differenzierung von Zellen. Die Effekte von Tenascinen sind
hierbei abhängig von der Art der Präsentation der Moleküle, d.h. es spielt
eine Rolle, ob sie löslich oder an Oberflächen gebunden, als einheitliches
Substrat oder angrenzend an andere Substrattypen den Zellen dargeboten
werden. Im Hinblick darauf wurde eine Technik zur Herstellung
mikrostrukturierter Substrate angewendet, die an die Beschaffenheit des
verwendeten Matrixproteins angepasst wurde. Für diese Arbeit wurden Zellen aus Gehirnregionen
verwendet, in denen TN-C nicht nur während der Entwicklung, sondern auch im
adulten Tier exprimiert wird, nämlich Zellen des Bulbus olfactorius und des
Hippocampus. |